Schreckgespenst

 PSYCHOSOMATISCHE KLINIK

Ich stelle mich hier mal kurz vor. Ich heiße Jens bin 31 Jahre und habe Depressionen und Ängste, verbunden mit Panikattacken.

Es begann bei mir richtig los zu gehen vor ungefähr  zweieinhalb Jahren, bis ich heraus gefunden hatte, mit welcher Krankheit ich es denn nun zu tun hatte. Ich spare mir am besten hier die Ausführungen .Das kennt Ihr mit Sicherheit alle.

Schon der erste Therapeut sprach mich nach einer relativ kurzen Zeit darauf an, ob ich den schon einmal darüber nachgedacht hätte in eine Klinik zu gehen. Man könne mir dort bestimmt viel besser und auch schneller helfen. Diesen Gedanken habe ich sofort wieder verworfen. Ich und eine Psycho Klinik. Bin doch nicht verrückt.

Nach ca. einem halben Jahr, ich kam mit dem damaligen Therapeuten nicht gut zurecht, wechselte ich zu einem Verhaltenstherapeuten. Zu dieser Zeit war ich schon ziemlich weit unten. Es viel mir sehr schwer den Stunden bei dem Therapeuten überhaupt zu folgen, so kam auch er bald mit dem Vorschlag Klinik.

ür mich war der Gedanke an eine Klinik der reinste Horror. Ich hatte immer das Gefühl, alle wollen mich abschieben. Ich soll in eine Klinik. Kommt nicht in Frage.

Etwa zur gleichen Zeit bin ich dann Depash bei getreten. Allein dieser Schritt war schon riesig für mich. Ich lernte dort viele nette Menschen kennen und habe eines sehr schnell gemerkt, es aber nicht war haben wollen. Alle, denen es scheinbar wesentlich besser ging als mir, hatten einen oder mehrere Klinikaufenthalte hinter sich und jahrelange Therapie.

Diese Erkenntnis war für mich Horror und Lichtblick zugleich. Es schien also wirklich eine Möglichkeit zu geben mit der Krankheit leben zu können. Nur zu welchem Preis?

In der Gruppe kam dann das Gespräch auch recht bald auf Klinik. Ich währte mich innerlich immer noch sehr stark, aber das Verlangen endlich einen Schritt weiter zu kommen, war enorm gestiegen. Der Gedanke Klinik war mit einem mal gar nicht mehr so weit weg, wie ich ihn vielleicht gewünscht hätte.

Die Gruppe und mein Zustand gaben mir dann sozusagen den Rest. Ich habe angefangen im Internet nach Kliniken zu suchen und mir Informationsmaterial zu bestellen.

In der nächsten Gruppenstunde habe ich es dann beschlossen: Klinik! Für diesen Entschluß brauchte ich fast zwei Jahre.

Von da an ging alles recht schnell. Ich rief in der Klinik an und fragte nach den Wartezeiten. So ca. 8 bis 12 Wochen, aber, da ich krank geschrieben war, kam ich in den Genuß wesentlich schneller aufgenommen zu werden.

Drei Wochen später war es dann so weit.

An einem Dienstag reiste ich an. Anreise war bis 14.30 Uhr. Das habe ich gerade so geschafft. Völlig abgehetzt meldete ich mich an der Rezeption. Das erste, was man mir sagte, war , ich solle mich erst mal setzen und ruhig bleiben. Es würde mich hier keiner hetzen. Mein erster Eindruck war alles andere als der einer Klinik. Ich kam mir eher vor wie in einem Hotel.

Eine Stationsschwester holte mich dann ab und die Aufnahmeformalitäten begannen. Station 5 Zimmer 404 war nun meine Adresse. Ich wurde gefragt welchen Sport ich gerne betreiben würde, ob ich Verspannungen hätte und eventuell Massage und Entspannungsbäder bräuchte, ob ich gerne in die Yoga Gruppe möchte oder lieber Atemgymnastik.

Nachdem wir das durch gesprochen hatten, bekam ich eine Art vorläufigen Stundenplan. Als nächstes wurde mir mein Zimmer gezeigt. Es war ein Einzelzimmer mit Du/ WC, Telefon, Balkon und Notrufknopf. Alles recht modern und sehr ordentlich.

Jede Station hatte eine eigene Teeküche, an der sich jeder, wann immer man es wollte, Café oder Tee kochen konnte. Außerdem gab es noch eine große Cafeteria mit Dart-Automat, Tischtennisplatte und Kegelbahnen. Im Untergeschoß der Klinik war ein Schwimmbad und Sauna. Direkt vor der Türe hatte man die Möglichkeit mit dem Bus in das Dorf zu fahren, oder in dem angrenzenden Park spazieren zu gehen.

Abends bekam ich dann im Speisesaal, diesen Namen hat er nicht verdient, hatte mehr was von einem Restaurant, meinen Platz gezeigt. Ich hatte mich bei dem Eingangsgespräch für Normalkost entschieden. Es gab aber auch Diät oder Vollwertkost. Auch hier erinnerte mich alles mehr an ein Hotel, als an eine Klinik.

Morgens gab es von 7.00 – 8.30 Uhr ein Frühstücksbüffet, Mittags täglich etwas anderes, ich hatte in sechs Wochen nicht einmal etwas doppelt, und abends wiederum ein Buffet. Dienstags und Donnerstags zusätzlich noch eine warme Speise.

Der eigentliche Grund warum ich in einer Klinik war, war ja nicht der mich zu erholen, sondern Therapie.

Ich war auf der Psychodrama-Abteilung. In dieser Abteilung gab es mehrere Gruppen. Meine Gruppe bestand aus 13 Leuten. Wir hatten zusammen zwei mal die Woche Psychodrama Gruppe, zweimal Gestalttherapie und mindestens ein Einzelgespräch bei Bedarf auch täglich. Zusätzlich hatten wir noch eine Selbsthilfegruppe, die dann ohne Therapeuten statt fand. Die Therapeuten hatten weiterhin auch noch feste Sprechzeiten, zu denen man gehen konnte. Außerhalb der Sprechzeiten konnte man sich an die Stationsschwestern wenden. Die sind ebenfalls sehr kompetent und sehr freundlich. Man hatte also, wenn man wollte 24 Stunden am Tag geschulte Ansprechpartner die sich mit Ängsten und Depressionen sehr gut auskannten. Gerade für jemanden wie mich war die Klinik eine Art Festung, in der mir nichts passieren kann.

Ein Großteil Therapie fand jedoch gar nicht in den verschiedenen Stunden statt, sondern eher in Gesprächen mit den Mitpatienten. Eigentlich kann ich sagen, dass Therapie dort rund um die Uhr statt fand.

Ein ganz wesentlicher Aspekt ist jedoch die Tatsache, dass man sich vorkam wie in einer anderen Welt. Überall Leute die einem mit Verständnis entgegen kamen. Ich konnte einmal den ganzen Müll von zu Hause hinter mir lassen und mich ausschließlich um mich und meine Bedürfnisse kümmern. Ich konnte reden wenn mir danach war, konnte aber genauso auch auf meinem Zimmer sein und lesen oder nachdenken. Ich hatte schon lange nicht mehr diese Möglichkeiten einmal selbst zu bestimmen, was nun gut für mich war. Eine Art Freiheitsgefühl ohne größere Sorgen.

Die Tage in der Klinik gingen immer sehr schnell um und es gab fast keinen Tag, an dem ich nicht etwas für mich mitnehmen konnte. Das wäre in ambulanter Therapie nie so geglückt. In diesen sechs Wochen wurde mir so vieles klar, wie nie in meinem Leben zuvor.

Es ist fast unmöglich zu beschreiben was dort mit einem passiert. Ich kann aus heutiger Sicht jedoch nur sagen, dass ich diesen Schritt auf gar keinen Fall bereut habe. Es war in meinem Leben eine der interessantesten Erfahrungen, die ich bis dahin gemacht habe.

In der Klinik wird man zu nichts gezwungen. Man muß theoretisch an nichts teilnehmen. Sollte man sich einmal nicht so gut fühlen, ist es überhaupt kein Problem gewesen sich für die Stunden entschuldigen zu lasen. Auch bekommt man keine Medikamente verordnet die man nicht will und die eigenen Medis werden einem nicht weg genommen. In dem Aufnahmegespräch wird auch festgehalten, welche Medikamente man einnimmt und wann. Danach bekommt man entweder seine Medis täglich zugeteilt oder, wie in meinem Fall, kleine Packungen. Wenn die leer sind geht man ins Sprechzimmer und bekommt neue. Stellte also auch kein Problem dar.

Ein kleiner Fehler ist mir jedoch unterlaufen. Ich hatte vergessen bei dem Erstgespräch anzugeben, wenn ich Kopfschmerzen habe, nehme ich schon mal eine Schmerztablette. Dies lies sich dann aber auch regeln.

Alles in allem kann ich sagen, dass all meine Ängste vor der Klinik völliger Blödsinn waren und  heute ärgere ich mich, nicht schon früher gegangen zu sein. Für alle Fälle habe ich mir von meiner Therapeutin noch in den Abschlußbericht schreiben lassen, dass ein weiterer Aufenthalt in der Klinik sehr gut für mich wäre.

Die beschriebe Klinik ist eine Klinik aus dem Wicker Konzern. Laut einer Mitarbeiterin sollen alle Wicker Kliniken so arbeiten und ausgestattet sein wie die, in der ich war.

Jens