Die Angsterkrankung

 

Was ist Angst? Was passiert dabei in/mit meinem Körper?

Körperliche Symptome sind u.a. Zittern, Beklemmungen in der Brust, schwitzige Hände, Herzrasen, Atemnot und Schwindel. Bei einer Angstattacke wird von der Nebennierenrinde ein Signal an das Gehirn gesendet, das Hormon Adrenalin auszustoßen. Adrenalin bewirkt, dass der Puls hoch geht, der Körper bereit ist zur Flucht. Früher hatte die Angst und deren Symptome durchaus eine wichtige Funktion, denn früher mußten die Menschen in gefährlichen Situationen (z. B. bei einem Angriff eines Raubtieres) schnellstmöglich flüchten. Meist mussten die Menschen damals auf einen Baum flüchten, wobei schwitzige Hände sehr von Vorteil waren. Heute ist es so, dass wir durchaus noch diese körperlichen Reaktionen haben, aber in den meisten Situationen keine Flucht erforderlich ist (z. B. kann man vor dem Stress, den man vielleicht mit der Planung eines Festes hat oder dem Alltagsstress, nicht flüchten). Man spricht von Angsterkrankung, wenn die Angst anhaltend über einen längeren Zeitraum in meist unbegründeten Situationen (z. B. beim Einkaufen) ist.

Welche Formen der Angst gibt es?

Die Angst aus biologisch/physiologischer Sicht gliedern sich wie folgt auf: Agoraphobie, Spezifische (isolierte) Phobien, soziale Phobie. Sonstige Angststörungen: Panikstörung, generalisierte Angst.

Agoraphobie (Platzangst): Bei dieser Form der Angststörung hat der Betroffene Angst vor weiten, offenen Plätzen oder zu kleinen Räumen, die von sehr vielen Menschen gerade betreten werden. Er hat Angst, Aufzug zu fahren, sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln fort zu bewegen, sich in Kaufhäuser oder Gaststätten zu begeben. Er fühlt sich in seinem Freiraum durch die anderen anwesenden Menschen beeinträchtigt, beengt, was im Körper die Angstsymptome auslöst.

Spezifische (isolierte) Phobie: Bei dieser Form der Erkrankung hat der Betroffene vor/bei ganz bestimmten Dingen Angst. Er hat z. B. Angst vor Spritzen, vor Spinnen, Höhen- oder Flugangst.

Soziale Phobie: Dies ist eine der schwierigsten Formen der Angststörung, die in den meisten Fällen nur sehr langwierig therapierbar ist, da hier das Selbstbewusstsein auch überaus stark beeinträchtigt ist. Betroffen sind hauptsächlich Frauen. Man hat Angst, peinlichen Situationen ausgesetzt zu sein (z. B. an der Kasse stellt man fest, die Geldbörse vergessen zu haben, in einem Restaurant etwas umzustoßen etc.) und vermeidet den Gang z. B. in ein Geschäft mehr und mehr. Man erfindet regelrecht Ausreden, sich nicht mehr mit Freunden in einem Restaurant zu treffen und isoliert sich somit mehr und mehr, bis man schließlich nur noch zu Hause bleibt, aus Angst, man könnte sozial in eine peinliche Situation kommen.

Panikstörung: Bei dieser Form der Angsterkrankung fühlt der Betroffene eine sehr starke körperliche Erregung ohne einen erkennbaren Auslöser. Sie tritt immer unverhofft auf. Meistens hat ein Betroffener 1x eine Attacke gehabt, vermeidet aber die Situation, in der er sie bekam, aus Angst, die Angst könnte wieder auftreten. Er hat Angst vor der Angst (Paniksyndrom).

Generalisierte Angst: Hierbei übergreift die Angst in sämtliche Lebensbereiche. Sie hat keinen bestimmten Grund, weshalb sie auftritt und die Auslöser wechseln ebenso ständig. Hat man also im Auto Angst bekommen, so kann es sein, dass man 1 Tag später dort keine Angst mehr hat, dafür aber im Geschäft!

Wieso können Angststörungen auftreten?

Bei einzelnen Phobien ist ein großer Teil anerzogen. Hat die Mutter z.B. Angst vor Spinnen, so überträgt sich diese Angst meist auch auf das Kind. Die Angst davor wurde sozusagen erlernt. Der Vorteil dabei ist, dass man diese Art von Angst auch wieder verlernen kann. Dies geschieht, ebenso wie bei Agoraphobie und sozialer Phobie durch Konfrontation mit der Sache / Situation. Es langt nicht, nur über diese Ängste zu reden, man muss sich ihnen auch stellen, wenn dadurch das Leben beeinträchtigt wird.

Eine andere Art der Angst ist die ängstlich (vermeidende) oder auch selbstunsichere Persönlichkeit(sstörung).

Zur Diagnose auf diese Art der Persönlichkeit müssen 3 der unten genannten Kriterien erfüllt werden:

- andauernde, tief verwurzelte Gefühle von Anspannung, Besorgtheit und vager Angst

- Überzeugung, selbst sozial unbeholfen, unattrackiv und minderwertig im Vergleich mit

   anderen zu sein                                              

- ausgeprägte Sorge, in sozialen Situationen kritisiert oder abgelehnt zu werden

- Abneigung, sich auf persönliche Kontakte einzulassen, außer man ist sicher, gemocht zu

   werden

- eine starke Neigung dazu, alle möglichen Dinge nicht zu tun oder diese zu vermeiden wegen 

  des Bedürfnisses nach körperlicher Sicherheit

- eine starke Neigung, berufliche und soziale Aktivitäten, die intensive zwischenmenschliche         Kontakte voraussetzen, aus Furcht vor Kritik, Missbilligung, oder Ablehnung zu vermeiden.

Häufig liegt die Ursache hierfür in der frühsten Kindheit. Durch wenig aufmunternde Erziehungsstiele (“pass auf, sei vorsichtig, du weißt doch, du bist ungeschickt”) wird das Selbstwertgefühl von Kindheit an geprägt.

Hat man diese Persönlichkeit, ist es wahrscheinlich, irgendwann im Leben an Ängsten zu leiden. Generell wird jeder Mensch mit einer Angstneigung geboren, die sich durch seine Umwelt, Erziehung, Familie erst prägt.

Was kann ich tun, wenn ich an einer Angststörung leide?

Keinen sozialen Rückzug! Man darf nicht zulassen, dass die Erkrankung / Persönlichkeit das Leben so weit beeinträchtigt, dass es an Lebensqualität verliert. Auch wenn es noch so schwer fällt, sollte man das, was man früher gern getan hat, auch weiterhin tun, auch wenn man sich in der Situation selbst unwohl fühlt. Wichtig ist, die Chance auf die Erkenntnis, dass einem bei einem Angstschub nichts passiert, man nicht umfällt, man keinen Herzinfarkt bekommt, zu nutzen und zu erkennen, dass die Angst in der Situation nicht bis ins Unermessliche steigt, sondern wieder abnimmt. Dies kann man aber nur feststellen, wenn man sich seinen Ängsten stellt.