Der Alltag einer Alleinerziehenden Mutter

 

Ich heiße Sandra, bin 33 Jahre alt und erziehe meine Töchter Leonie (5) und Chiara (2) allein. Allein erziehen? Was heißt das für mich? Es ist für mich eine große Herausforderung, verbunden mit viel Organisation, viel Streß viel Ärger (mit den Ex-Schwiegereltern, den eigenen Eltern, zum Teil auch mit den Papas und gelegentlich auch mit den Kids selbst). Aber es ist auch eine Aufgabe, auf die man stolz ist, vor allem, wenn man vom Freundeskreis gelobt wird, was man doch für “liebe” Kinder hat. Natürlich haben wir 3 auch ne Menge Spaß und viel Liebe und Geborgenheit gibt’s obendrein. Es ist nicht immer ein Tag wie der andere und an manchen Tagen bin ich abends ziemlich fertig. Wenn z.B. sehr viele Termine an einem Tag anfallen oder eines der Kinder (bei Erkältung sind es oft beide gleichzeitig) krank ist und die andere gesund, gibt es Situationen, wo es heißt: “Nerven behalten!” Aber auch, wenn es mir mal gesundheitlich nicht gut geht, ist es oftmals schwer, denn bei allem Verständnis, was meine Große schon hat, ist es dennoch schwer für sie zu verstehen, daß die Mama eben nicht so viel Leistung erbringt, wie sie es sonst tut und eben nicht die Kraft hat, sich mit ihr zu beschäftigen. Aber nun zu meinem Bericht:

Morgens zwischen 6:00 und 7:00 Uhr werde ich von meinen Mädels lautstark geweckt. Den Wecker überhöre ich fast immer, weil ich gegen Morgen meine Tiefschlafphase habe. Nachts bin ich oft wach, was mit meiner Krankheit (Fibromyalgie = Weichteilrheuma) zu tun hat. Es gibt was – das ist allerdings schlimmer als der Wecker: Der “Duft” der überfüllten Windel meiner Tochter Chiara. Also fange ich den kleinen Wirbelwind ein und wickle sie unter starkem Protest ihrerseits. Nachdem sie frisch angezogen ist gibt’s Frühstück. Meine Kids lieben Choco-Chips oder Smacks mit Milch. Leonie möchte sich die Milch selber eingießen, was bei einer vollen Tüte meistens zu einer Überschwemmung führt. Und Chiara schafft es auch die meiste Milch kinnabwärts auf Lätzchen, Hose und Hochstühlchen zu verteilen. Dies erklärt den enormen Verbrauch an Küchenrollen und den täglichen Wäscheberg.

Nach dem Frühstück, so gegen 8:oo Uhr geht’s ab ins Bad. Die Mädels wollen immer gleichzeitig die gleiche Zahnbürste benutzen. Der erste Streit ist also da. Ich versuche Chiara mit einem Haufen Erdbeerzahnpasta zu überreden, ihre eigene Bürste zu benutzen. Danach ziehe ich die Kleine noch mal um. Leonie kann sich alleine waschen und anziehen. Somit sind die Kids fertig – nur ich bin noch im Pyjama. Also ab unter die Dusche und schnell fertig machen.

Dann bringe ich – mit Chiara im Buggy – Leonie zum Kindergarten. Ab und zu kann ich auch das Auto meiner Freundin nehmen. Sie wohnt unter mir und ist mein “goldener Engel”. Ohne sie ginge oftmals alles schief und das Chaos wäre perfekt.

Nachdem Leonie also im Kindergarten ist, gehe ich entweder zur Therapie oder zu diversen Ärzten, in den Spielkreis oder einkaufen. Manchmal ist aber auch Zeit für ein Frühstück mit meiner Freundin.

Mittags hole ich dann meine Große wieder vom Kindergarten ab und Chiara ist reif für ihren Mittagsschlaf. Meistens schläft sie 2 Stunden und ich kann die Zeit zum Kochen, aufräumen, putzen und für die Wäsche nutzen.

So gegen 14 Uhr gibt’s dann Mittagessen und dann geht’s (im Sommer) runter in den Garten zum Spielen. Manchmal ist Leonie auch zum Spielen verabredet oder es liegen noch Termine an.

So um 18 Uhr dusche ich meine Kids und dann gibt’s Abendbrot. Nach dem Sandmann ist für Chiara Schlafenszeit. Leonie darf noch bis 20:15 Uhr fern sehen oder wir spielen zusammen. Wenn meine Süßen dann schlafen, ist für mich noch nicht Feierabend. Ich erledige die Post, bügle, räume auf oder beziehe Betten. Natürlich gibt es auch Abende, an denen ich relaxe. Ein gemütliches Schaumbad und Schnuddelstündchen mit Freunden gönne ich mir auch hin und wieder. So gegen 23 – 23:30 Uhr ist für mich der Tag dann auch um. Ich lege mich in mein Bett, lese noch etwas und versuche einzuschlafen.

Alle 14 Tage gehen meine Töchter übers Wochenende zu ihren Papas. Eigentlich könnte ich in dieser Zeit mal richtig einen drauf machen, aber meistens komme ich nicht in die Pötte. Ich genieße einfach die Ruhe, allerdings mit einer Spur von Einsamkeit. Daran merke ich doch, wie sehr ich meine Kinder liebe. Natürlich gehe ich auch mal weg und genieße meine freien Abende. Aber wie schon erwähnt, ich genieße die Ruhe und sammle Kraft für Sonntag Abend 19 Uhr, denn dann sind meine süßen Mäuse wieder da und es beginnt eine neue Woche.

Die größte Belastung einer Alleinerziehenden Mutter ist meistens die finanzielle Seite. Ich lebe vom Kindergeld, Unterhalt und Sozialhilfe. Arbeiten ist aus gesundheitlichen Gründen zur Zeit nicht realisierbar. Somit ist es sehr “eng” bei uns. Meine Kinder müssen auf vieles verzichten, was ihre Altersgenossen ganz selbstverständlich kriegen. Da kommt halt immer wieder die Frage auf: “Wie soll ich das schaffen?” Das ist sehr belastend für mich. Klar hat meine Große Verständnis dafür, daß ich ihr nicht ständig ihre Wünsche erfüllen kann, aber es ist sehr schwer für mich, sie immer wieder enttäuschen zu müssen, ihr immer wieder erklären zu müssen, daß wir uns das nicht leisten können. Und daher bin ich froh, daß es unsere Gruppe(n) gibt. Da kann ich mir all meine Ängste und Sorgen von der Seele reden. An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen und mich bei all denen bedanken, die mir mit Rat und Tat zur Seite stehen. “Herzlichen Dank!”

Eure

Sandra