Depash - Depression und Angst Selbsthilfe e.V. Nordhessen

Verschiedene Formen der Depression

Am 07.05.2003 fand im Dorfgemeinschaftshaus Homberg-Holzhausen ein Fachvortrag zum Thema ”Verschiedene Formen der Depression” statt. 25 Interessierte und Betroffene Zuhörer waren der Einladung gefolgt. Referentin des Abends war Fr. Dipl. Psychologin Nelde.

Die Begrüßung der Anwesenden erfolgte durch unsere 1. Vorsitzende Helga Jakob mit einer Vorstellung unseres Vereins. Im Anschluss gab sie das Wort an Fr. Nelde weiter.

“Diesen Vortrag möchte ich dem Verein Depash und seinen Gruppensprechern widmen. Ich habe den höchsten Respekt vor der Arbeit, die dort geleistet wird. Ich selbst habe nur 1 Person mir gegenüber, die Gruppensprecher von Depash müssen sich bei jedem Treffen gleichzeitig mit mehreren Situationen befassen und das, obwohl sie selbst Betroffene sind. Wirklich eine tolle Leistung!”

Bereits Aristoteles berichtete, dass einige Menschen sehr melancholisch seien. Bis vor 100 Jahren existierte der Begriff “Depression” nicht, man nannte es Melancholie und erst Ende des letzten Jahrhunderts entstand der Begriff Depression. Damit begann auch die Erforschung der Ursachen. Der Bedarf an Diagnostik zeigte immer mehr verschiedene Formen auf. Alle Formen der Depression unterscheiden sich im Verlauf, der Dauer und der Intensität. Es gibt Formen, die selten auftreten und welche, die lebenslang sind.

Somatische Depression = organische Depression. Sie entsteht auf Grund körperlichen Erkrankungen wie z. B. einer funktionellen Störung der Schilddrüse oder eines Hirntumors.

Die begleitende Depression – auch reaktive Depression genannt – entsteht durch bestimmte Ereignisse, worauf unser Körper reagiert. Dies können z. B. der Verlust eines lieben Menschen oder Haustieres, ein Umzug und damit der Verlust einer Wohnung / eines Hauses oder eine neue Arbeitsstelle sein. Auch bei körperlichen Erkrankungen wie z. B. Krebs kann als Folge eine Depression auftreten.

Ist der Auslöser für die reaktive Depression bekannt, kann man sehr gut in einer Verhaltenstherapie daran arbeiten. Hat man z. B. sein Haus durch den Wechsel einer Arbeit aufgeben müssen, kann man dem Patienten die neue Wohnung und den neuen Job “schmackhaft” machen.

Die episodisch / phasenweise auftretende Depression tritt – wie der Name schon sagt – phasenweise auf. Eine Unterform ist z. B. die so genannte “Winterdepression”. Bei Frauen wurde festgestellt, dass sie bei ihren periodischen Zyklen phasenweise auch depressiv sind, was an der Hormonumstellung liegt. Diese Form der Depression ist für Betroffene immer schwer, da sie generell unverhofft auftritt, lässt sich allerdings gut mit Medikamenten behandeln, so dass eine gleich bleibende Stimmung bei den Patienten bewirkt wird.

Endogene Depression Diese Form der Depression ist die schwerste Form. Der Patient sieht alles durch eine große, schwarze Wolke, ist wie gelähmt, es geht nichts mehr. Er hat das Gefühl des absoluten Versagens und hat Angst, den Tag nicht zu überstehen. Die beste Behandlung der endogenen Depression ist ein Klinikaufenthalt und Medikamente. Die Familie kann diese Erkrankung nicht mittragen, sie muss sich Hilfe von außen holen, sonst laufen Angehörige des Erkrankten selbst Gefahr zu erkranken.

Eine Unterform der endogenen Depression ist die manisch-depressive Depression. Der Patient durchlebt hier manische (hoch) und depressive Phasen im Wechsel. Man nennt diese Depression auch bipolare Depression, weil sie 2 Seiten hat. In der depressiven Phase ist alles so wie bei den anderen Depressionsformen auch, doch in der Hochphase (Manie) tut der Patient ganz aggressiv intensiv Dinge. Er schließt z. B. Kaufverträge ab, lebt über seine Verhältnisse, intensiviert seine Hobbies, schläft kaum noch, steht ständig unter Tatendrang. Das schlimme an dieser Form ist, dass Betroffene meist ihren Beruf aufgeben müssen, weil sie für die Wirtschaft einfach nicht tragbar oder für den Kundenverkehr in der manischen Phase untragbar für ihren Arbeitgeber sind. Auch können bei Betroffenen Wahngedanken auftreten, aber dies ist meistens verbunden mit regelmäßigem Alkoholkonsum. Die bipolare Depression zählt zu der 10.häufigsten Erkrankung. In Deutschland allein sind fast 4 Mio. Menschen daran erkrankt. Die beste Behandlungsmethode für diese Form der Depression ist die Verabreichung von Licium und parallel dazu ein Antidepressivum.

Dystymia entsteht bei familiären Belastungssituationen, Suchterkrankungen oder durch organische Ursprünge (Schilddrüse).Sie zieht sich über einen längern Zeitraum hin (mindestens 2 Jahre, in manchen Fällen seit Kindheit an). Diese Form ist äußerst schwer erkennbar, weil im Familien – und Freundeskreis angenommen wird, dass der Erkrankte eben so ist, wie er ist. Meist ist diese Form mit einer Angsterkrankung gekoppelt.

Die Behandlung erfolgt hier mit leichten Antidepressiva oder pflanzlichen Mitteln. Bei organischen Störungen (Schilddrüse) wird diese behandelt.

Wie kann ich erkennen, ob jemand Depressionen hat und woran erkenne ich, welche Form es ist?

Phasenweise Depression: Der Betroffene ist mal aktiv, mal vermeidet er Situationen und Termine. Die Selbstwahrnehmung verändert sich z. B. wird der Haushalt vernachlässigt. Beispiel: Mal ist Kegeln völlig in Ordnung und der Betroffene hat auch Freude daran, bei Eintritt der Phase versucht er zu vermeiden, den Termin wahr zu nehmen und äußert dies mit der Begründung, dass er doch nur belasten würde durch seine Niedergeschlagenheit.

Reaktive Depression: Der Erkrankte zieht sich sozial zurück, er vermeidet Publikumsverkehr und zeigt körperliche Symptome.

Dystymia: Das Verhalten der Betroffenen ist gedrückt / traurig, es fällt ihnen schwer, morgens aufzustehen und sich zu Arbeiten aufzurappeln, dennoch tun sie es, auch wenn es ihnen noch so schwer fällt. Sie quälen sich Tag für Tag und funktionieren für ihr Umfeld.

Wie gehe ich mit Depressionen um?

Dies ist immer eine Gradwanderung für jeden Angehörigen, denn mal kann es gut sein, den Patienten zu fordern, mal ist Ruhe die bessere Lösung. Es ist für jeden Angehörigen schwer zu erkennen, ob er dem Betroffenen einen Termin anbieten oder Arbeiten verrichten soll.

Oftmals flüchtet sich er Betroffene auch in seine Krankheit. Sie wird für ihn mit der Zeit ein Schutzwall. Er neigt dazu, Dinge auch weiterhin an seine Angehörigen weiterzugeben, obwohl er vielleicht schon in der Lage ist, selbst die Arbeiten zu verrichten oder Termine wahr zu nehmen.

Angehörige sollten mit in die Therapie einbezogen werden, sei es bei der Verabreichung der Medikamente (sie können auf die regelmäßige und genaue Einnahme achten) oder bei der Gesprächstherapie.

Ein an Depression erkrankter Mann wird von seiner Frau meist mitgetragen, umgekehrt funktioniert das nicht allzu gut. Meist wird die erkrankte Frau ausgegrenzt und in den schlimmsten Fällen trennt sich der Mann von ihr.

Im Anschluss an diesen Vortrag fand eine Diskussionsrunde statt. Hier ein Auszug daraus:

Frage: “Wie gehe ich mit manisch-depressiven Menschen um?”

Antwort: “In der manischen Phase hat man keinen Zugang zu den Betroffenen. Er kann vernünftige Einwände nicht wahrnehmen. Man kann den Erkrankten nur mit Aggressivität begegnen, also ganz klare Aussagen tätigen und Konsequenzen ziehen. Manische Patienten sollten in der “normalen” Phase möglichst Regelungen für die manische Phase treffen, z. B. bei ihrer Bank vereinbaren, den Dispo raus zu nehmen.”

Frage: “Wie kann ich mit einem Gruppenmitglied umgehen, dass manisch-depressiv ist?”

Antwort: “Es sollte in der Gruppe ein “Notfallplan” erstellt werden. Jemand, der stabil genug ist, sollte die Aufgabe übernehmen und sich dann mit dem Betroffenen beschäftigen, ihn zu einem Spaziergang einladen, statt in die Gruppe zu gehen. Für die Gruppe ist ein Patient in der Manie sehr schwierig und viele können, wenn es ihnen selbst schlecht geht, nicht damit umgehen, haben dann ggf. Angst vor dem nächsten Gruppenabend und bleiben fern.”

Frage: “Wie verhalte ich mich als Mutter gegenüber meiner an Depression erkrankten Tochter?”

Antwort: “Das ist sehr schwierig, da es kein Patentrezept gibt”. Ich rate dazu, gemeinsam mit der Tochter in eine Therapiesitzung zu kommen. Voraussetzung hierzu ist allerdings das Einverständnis Ihrer Tochter”.

Frage: “Woran erkenne ich, ob ein Medikament anschlägt?”

Antwort: “Grundsatz hierfür ist, dass die Erstmedikamentation durch einen Facharzt erfolgen sollte, die Folgemedikamentation kann der Hausarzt übernehmen. Medikamente wirken erst nach 2-3 Wochen, da durch sie der Hirnstoffwechsel umgestellt wird. Trankquilizer wie Tavor wirken sofort, sollten aber nur in Akutphasen genommen werden, ansonsten besser Antidepressiva”.

Wir bedanken uns bei Fr. Nelde für diesen wirklich sehr informativen Vortrag und hoffen, Euch ein Stück weit Aufklärung gegeben zu haben.