Depash - Depression und Angst Selbsthilfe e.V. Nordhessen

Verschiedene Gesichter der Depression

Ca. 35 Interessierte und Betroffene Menschen waren der Einladung vom 29.04.2003 zu einem Fachvortrag zum Thema “Verschiedene Gesichter der Depression” der durch den Chefarzt der Edertal-Klinik, Prof. Dr. Dr. Udo Michalak gehalten wurde, gefolgt.

Die 1. Vorsitzende Helga Jakob begrüßte alle Zuhörer recht herzlich und stellte kurz unsere Arbeit vor. Anschließend gab sie das Wort an Hr. Dr. Dr. Michalak weiter.

Statistik

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Depression die häufigste und schwerste Krankheit, die es gibt und es sei dringend erforderlich, diese weiterhin zu erforschen.

Depressionen schränken die Lebensqualität drastisch ein und sie ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. Laut der WHO ist die Depression die zweithäufigste Erkrankung weltweit.

Über 8100 Männer und 2700 Frauen begangen im letzten Jahr Suizid.

50 – 75% aller an Depression erkrankten werden als solche diagnostiziert, wovon nur 15% behandelt und nur 7% adäquat behandelt werden.

“Depressionen”, so Dr. Michalak, “können nur im Gespräch mit dem Patienten erkannt werden, denn Symptome allein werden oft vorbehandelt, was zu einer verkannten Depression führt.”

Hauptsymptome sind depressive Verstimmung, Verlust von Freude und Verminderung des Antriebs.

Ansatzsymptome sind verminderte Konzentration, Verlust des Selbstwertgefühles, Schuldgefühle, Pessimismus, Schlafstörungen und Appetitverminderung.

Somatische Syndrome sind deutlicher Interessenverlust (Verlust an Freude und an Dingen, die einem sonst angenehm waren), mangelnde Fähigkeit emotional zu reagieren, Morgentief, Denk- und Mimikhemmung, Bewegungsabläufe (Gang ist schleichend, geknickt) und der Verlust sexueller Bedürfnisse.

Behandlung

Als erstes muss die Diagnose gestellt werden. Die meisten Patienten gehen wegen der somatischen Beschwerden erst einmal zu ihrem Hausarzt. Es liegt nun an ihm, die Diagnose zu stellen und auch auszusprechen.

Die häufigste Form der Depression ist die reaktive Depression. Sie tritt bei aktuellen Lebenseinschnitten und Erlebnissen aus der Kindheit auf.

Bei allen Depressionsformen ist ein deutlicher sozialer Rückzug erkennbar.

Behandlungsformen der reaktiven Depression sind psychotherapeutische Maßnahmen wie eine Verhaltenstherapie, um Verhaltens- und Denkweisen aufzuspüren und zu ändern.

Die endogene (vererbte) Depression wird oftmals mit Medikamenten behandelt, welche Patienten wegen der Leistungseinschränkung ungern nehmen. Der Nachteil von Medikamenten ist, dass sie wegen der Umstellung der Bodenstoffe meist 2-3 Wochen benötigen, um zu wirken. In dieser Zeit treten die Nebenwirkungen (z. B. Mundtrockenheit, Übelkeit etc.) oft in den Vordergrund, was den Patienten in einigen Fällen dazu veranlasst, diese wieder abzusetzen. Medikamente sollten generell konsequent und über einen längeren Zeitraum (mindestens 1 Jahr) genommen werden. In dieser Zeit sollte das Medikament keinesfalls eigenmächtig abgesetzt werden, nur weil man meint, es ginge einem wieder gut.

Bei der saisonalen Depression – auch Winterdepression genannt – wird dem Patienten oftmals eine Lichttherapie zur Behandlung der Symptome angeboten. Diese Maßnahme reicht in den meisten Fällen zur Besserung des Krankheitsbildes aus.

Im Anschluss fand eine Diskussionsrunde statt. Hier ein kleiner Auszug:

Gast: “Geben Sie Ihren Patienten nach dem Aufenthalt etwas mit auf den Weg? Gibt es hier in der Klinik Krankheitsbezogene Gruppen?”

Antwort: “Wir bieten unseren Patienten bei ihrem Aufenthalt hier verschiedene Gruppen an. In diesen können Sie sehr viel im Umgang mit der Erkrankung lernen und für ihr weiteres Leben mit nach Hause nehmen.”

Gast: “Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Psychiater, und Psychologe?”

Antwort: “Ein Psychiater ist der Facharzt für seelische Erkrankungen. Er ist dazu ausgebildet, diese zu erkennen und er verschreibt Medikamente. Was er nicht tut ist Gesprächstherapie. Ein Psychologe ist ein Psychotherapeut. Er behandelt ausschließlich mit Gesprächstherapien und darf keine Medikamente verordnen. Ein Facharzt für psychotherapeutische Medizin ist sozusagen “einer für beides”, er darf sowohl Gesprächstherapien durchführen sowie Medikamente verordnen. Ein Neurologe ist umgangssprachlich ein “Nervenarzt”. Er misst die Gehirnströme und kann dadurch eine körperliche Erkrankung ausschließen. Auch er kann Medikamente verschreiben.”

Gast: “Was muss ich denn bei Medikamenten beachten? Machen sie mich abhängig?”

Antwort: “Antidepressiva machen nicht körperlich abhängig, in manchen Fällen allerdings psychisch (ohne Tabletten geht alles wieder von vorn los, ich werde erneut krank). Wichtig ist die regelmäßige und richtige Einnahme. Die Dosis sollte nicht zu gering sein und für einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Der Patient sollte auf keinen Fall die Dosis von sich aus herabsetzen oder die Einnahme gar beenden.”

Gast: “Gibt es ein Rezept für / gegen Depressionen?”

Antwort: “Nein! Jeder Mensch ist unterschiedlich und es gibt kein Patentrezept. In unseren Gruppen weisen wir öfter mal darauf hin, dass das, was einem selbst geholfen hat, kein Rezept für seinen Mitpatienten ist. Ich denke, da kann Fr. Jakob auch etwas zu sagen.” Helga Jakob: “Ja, richtig, diese Situation tritt gelegentlich auch in einer unserer Gruppen auf, doch unsere Gruppensprecher sind darauf geschult, die Situation entsprechend zu klären, nämlich zu sagen, dass es vielleicht “Dir” geholfen hat, aber es muss nicht bedeuten, dass es auch ihr / ihm hilft.”

Gast: “Warum nimmt man bei den meisten Antidepressiva zu?”

Antwort: “Durch die Medikamente wird der Stoffwechsel im Gehirn umgestellt, der Stressabbau wird eingeleitet. Dadurch wird der Energiefluss beeinflusst. Der Körper schaltet einen Gang runter und somit wird alles angesammelt, was verwertbar ist und so kann es zu einer Gewichtszunahme kommen.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei dem Chefarzt der Edertal-Klinik für diesen sehr interessanten Vortrag und sein Engagement und hoffen, Euch mit diesem Beitrag weitere Einblicke in die Krankheit Depression gegeben zu haben.