Depash - Depression und Angst Selbsthilfe e.V. Nordhessen

Umgang mit Angst und Depression

45 Zuhörer, bestehend aus Interessierten und Betroffenen, waren der Einladung zu dem Fachvortrag “Umgang mit Angst und Depression” am 09.04.2003 in Borken-Kleinenglis gefolgt.

Die 1. Vorsitzende Helga Jakob begrüßte alle Besucher herzlich und stelle die Arbeit des Vereines kurz vor. Im Anschluss gab sie das Wort an die Referentin des Abends, Fr. Dipl. Psychologin Hildegard Huschka weiter, die sich ebenfalls kurz vorstellte..

Statistische Daten

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkrankt weltweit jeder 5. Mensch im Laufe seines Lebens an Angst oder Depression. In Industrieländern erkranken mehr Frauen als Männer daran. In den vergangenen Jahren konnte man feststellen, dass zunehmend jüngere Menschen an Depression oder Angst erkranken.

Eine Deutschlandweite Untersuchung in den Jahren 98/99 ergab, dass 32% = 15,6 Mio. Menschen psychische Symptome aufwiesen. Davon wiesen jeweils 13% das Erkrankungsbild Angst und Depression auf.

Von diesem drittel sind ist rund 1/3 in Behandlung, sei es in Therapie oder anderweitig, 2/3 der Erkrankten nicht.

Die Qualität der Behandlung aller psychisch Erkrankten ist nur zu 10% angemessen und Erfolg versprechend.

Einer Schätzung für das Jahr 2000 zufolge gab es 11.000 ausgeführte Suizids mit Todesfolge und rund 400.000 Suizidversuche.

Depression / Angst und Gefühle

Gefühle sind etwas ganz natürliches, doch wir neigen dazu, sie in “gut” und “schlecht” zu splitten. Wir nehmen positive und negative Gefühle wahr. Positive sind z. B. Freude, Glückseeligkeit, Wohlbefinden, Harmonie, negative z. B. Wut, Aggression, Depression, Angst.

Wenn wir keine Angst hätten, würde unser Leben in einer Katastrophe enden, da wir Dinge tun würden, die lebensgefährlich sind, wir hätten keine Grenzen.

Die Depression ist eine Reaktion auf Ereignisse, Widrigkeiten des Lebens, die auf uns zukommen. Sie verhilft uns zur Ruhe zu kommen, um Energie zu sammeln.

Vorwiegend werden unsere Gefühle durch die Erziehung verdrängt. Frauen haben z. B. Hemmungen, Wut und Aggression zuzulassen, Männer hingegen haben Schwierigkeiten Trauer und Kränkungen zu zeigen. Der Weg in eine Therapie und die dortige Auseinandersetzung mit diesen Gefühlen ist ein großes Problem der Männer. Frauen hingegen finden den Weg zur professionellen Hilfe sehr viel schneller.

Männer verweigern es weitgehend, sich mit diesen Gefühlen auseinander zu setzen, was uns letztendlich die Gesellschaft auch von kleinauf so vorlebt. Befragt man Frauen und Männer gleichermaßen, was sie meinen, warum 2 Säuglinge (1 Junge, 1 Mädchen) weinen, bekommt man überwiegend bei dem Mädchen als Antwort, dass es traurig sei, während bei dem Jungen das Weinen als Wut diagnostiziert wird.

Worum geht es?

Bei Angst und Depression geht es letztendlich immer um den Sinn des Lebens. Häufige Auslöser von Depressionen bei Frauen sind z. B., wenn die Kinder aus dem Haus gehen, eine berufliche Umorientierung stattfindet oder ein zu früher Ruhestand. Hilflosigkeit spielt bei Depression immer eine wichtige Rolle, teilweise ist dieses Gefühl auch der prompte Auslöser. “Ein “klassischer” Auslöser für das Gefühl der Hilflosigkeit ist ein Krieg. Jeder hat dort Angst, in etwas reingezogen zu werden, was man selbst nicht verhindern kann, die Folge sind Angst (was passiert noch) und Depression (man ist hilflos).

Behandlungen

Der 1. Schritt ist, sich Hilfe aus eigener Kraft zu holen. Werden Termine von Angehörigen oder Freunden für den Betroffenen getätigt, ist das meist für den Erkrankten eine Sackgasse, er ist noch nicht bereit für eine Therapie oder einen stationären Aufenthalt.

Hilfe für den Erkrankten kann ganz unterschiedlich sein. Nicht jeder Mensch eignet sich für eine Psychotherapie, es muss geschaut werden, was gut für den Betroffenen selbst ist. Möglichkeiten können neben oder in Verbindung mit einer Therapie sein, Sport zu treiben, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen, sich medikamentös behandeln zu lassen oder ein stationärer Aufenthalt in einer Klinik. Soforthilfe bekommt man bei seinem Hausarzt. Oftmals werden die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten kombiniert (Therapie + Medikamente).

Was können Betroffene und Angehörige noch tun?

Angehörige sollten sich immer vor Augen führen, dass der Erkrankte jetzt auf Hilfe angewiesen ist, die er aber auch erst einmal zulassen muss. Viele können das nicht sofort, weil sie ihr ganzes Leben lang “funktioniert” haben. Betroffene sollten nicht zu viel und zu schnell eine Besserung erwarten. Sie sollten sich selbst Zeit geben, sich selbst an der langen Leine lassen, denn schließlich hat es ein ganzes bisheriges Leben gedauert, sich Verhaltensweisen, die im nachhinein “ungesund” für die Seele waren, anzutrainieren, nun dauert es auch seine Zeit, die Angewohnheiten wieder abzutrainieren.

Die Krankheit ist auch eine Chance, sein bisheriges Leben zu überprüfen und nun können die Weichen für das weitere Leben gestellt werden.

Fr. Dipl. Psychologin H. Huschka möchte mit diesem Vortrag auch Mut machen, dass die Erkrankung auch wieder besser wird, eine Gesundung eintritt, man lernt, mit ihr gut zu leben.

Verhaltensweisen, die unangebracht sind

  • Angehörige und Freunde sollten es vermeiden zu bagatellisieren (“reiß dich zusammen”, “man kann sich doch nicht so gehen lassen”).
  • Zu verständig zu reagieren oder gar mitzuleiden ist auch ungut.
  • Nicht zu fürsorglich mit dem Erkrankten umgehen, das engt ihn eher ein als das es hilfreich wäre.
  • Kontrollierend oder überwachend zu sein hilft wenig
  • Die Aussage “es wird schon wieder” vergrößert beim Betroffenen eher die inneren Qualen.
  • Sinnvolle Verhaltensweisen:

  • Zeigen Sie einfühlsames, verständiges zuhören.
  • Vermeiden Sie Bewertungen (“das war nicht so gut, das hätte ich anders gemacht”).
  • Zeigen Sie dem Erkrankten ehrliche Zuwendung und bewahren Sie ihre eigenen Grenzen.
  • Lassen Sie Ihre Gefühle raus. Benennen Sie ruhig Wut und Aggression.
  • Schmieden Sie gemeinsam Pläne und Treffen mit Bekannten und Freunden.
  • Im Anschluss an das Referat fand eine Diskussionsrunde statt. Hier ein kleiner Auszug daraus:

    Helga Jakob kam nochmals auf das Thema “Männer und wie sie zu der Erkrankung stehen” zu sprechen. Sie teilte den Zuhörern mit, dass in den Gruppen ca. 20% Männer und 80% Frauen sind. Wenn sich die Männer erst einmal getraut haben, den Weg zu finden, sind sie richtig gute “Kumpels” und reden auch offen über ihre Probleme und bringen sich bei anderen Themen mit ein.

    Ein Gast erzählt: “Ich leide seit 6 Jahren an einer Herzneurose. Fr. Huschka, Sie sagten, dass die Erkrankung nicht für immer da sein wird, ich hingegen habe die Erkrankung für mich angenommen, für mich ist sie ein Teil von mir. Seit dem geht es mir auch viel besser, ich kann jetzt damit umgehen. Es gibt allerdings Dinge, die ich nicht mache, wie z. B. auf der Autobahn fahren.”

    Frau Huschka: “Vielleicht ist es ganz gut, dass Sie keine Autobahn fahren, es ist ja zum Glück in den meisten Fällen nicht zwingend notwendig. Wir sollten uns eine Diskrepanz schaffen zwischen dem, was wir sein sollten und was wir tun. Alle Menschen sind hier oder da mal eingeschränkt. Ich befürchte, dass manche Menschen alles, was negativ ist, aus dem Leben raus zu halten versuchen, aber das Leben ist nicht so und das psychische Symptom ist ein Teil davon.”

    Wir bedanken uns recht herzlich bei Fr. Dipl. Psychologin Hildegard Huschka für den überaus interessanten Vortrag und hoffen, wir konnten mit diesem Beitrag wieder etwas zur Aufklärung verhelfen.