Depash - Depression und Angst Selbsthilfe e.V. Nordhessen

Körpertherapeutische Behandlung- und Selbsthilfemöglichkeiten

Am 30.09.02 fand eine Informationsveranstaltung zum Thema “Körpertherapeutische Behandlung- und Selbsthilfemöglichkeiten” im Bürgersaal Felsberg statt. Diese Veranstaltung war mit ca. 70 interessierten Zuhörern sehr gut besucht. Unsere 1. Vorsitzende, Helga Jakob, eröffnete den Abend, in dem Sie alle Anwesenden herzlich begrüßte und dann das Wort an den Referent des Abends, Hr. Dr. Kellner, weiter gab.

Hr. Dr. Kellner begrüßte ebenso alle Zuhörer und stellte sich kurz vor. Hr. Dr. Kellner hat in Melsungen ganz neu eine Praxis für Körperpsychotherapie eröffnet. Wie diese Therapieform im Einzelnen aussieht, was dort gemacht wird, schilderte uns der Referent im Laufe des Abends anhand von Beispielen.

Was ist Körperpsychotherapie?

Hinter dem Begriff “Psychotherapie” verbirgt sich die Veränderung von psychischen Symptomen mit psychologischen Mitteln, es bemühen sich zwei Menschen etwas zu bewegen. Die Körpertherapie wird bei dieser Behandlungsform mit einbezogen. Körperliche und seelische Erkrankungen sind wechselseitig zu verstehen. Ist die Seele krank, äußert sich das auch in körperlichen Symptomen, genauso umgekehrt.

Wir kennen alle die Ausdrücke “mir wird der Boden unter den Füßen zu heiß” oder “da hab ich kalte Füße gekriegt”. Beide Ausdrücke stammen aus einer Angstsituation heraus. Die Angst zeigt reale Symptome. Körperliche Erscheinungen und seelische Erlebnisse haben eine Vielzahl an Wechselwirkungen. Die Bio-Energetik ist eine Behandlungsmethode der systematischen Art.

Was ist Bio-Energetik?

Die Bio-Energetik sieht und wirkt auf den Menschen als ganzes. Das wesentliche Prinzip ist das “grounding”. Hierbei wird vom Therapeuten genau beobachtet, wie der Patient im Leben steht. Die Betonung liegt auf “wie”, denn es wird genau analysiert, inwieweit der Mensch mit beiden Beinen im Leben steht. Steht ein Patient mehr auf dem Vorfuß, läßt sich darauf schließen, daß er sehr schnell “in die Gänge” kommt, steht er auf dem Rückfuß, läßt sich darauf schließen, daß er eher gebremst ist. Dies ist nicht der Regelfall, aber oftmals trifft dies zu.

Bei vielen Angsterkrankungen klagt er Betroffene über kalte Füße und Hände in einer Angstsituation. Hat ein Patient in einer Angstattacke kalte Füße, sieht die Bio-Energetik, daß er unsicher ist, es ist ein unangenehmes Gefühl. Der Patient reagiert körperlich mit Schwindel und Fluchtgefühl.

Wie sehen die Übungen in der Körpertherapie aus?

Bei Angsterkrankungen ist eines der häufigsten Symptome der Schwindel. Hierfür steht für den Patienten eine Balancierscheibe in der Praxis bereit. Der Betroffene übt sein Gleichgewicht zu halten. Oftmals ist es so, daß der Patient, sobald er auf der Scheibe steht, unsicher wird und sich eine Panikattacke ergibt. Es wird trainiert, mit der Unsicherheit umzugehen. Ist der Patient soweit sicher auf der Scheibe, so ist die 2. Stufe das Schließen der Augen. Der Therapeut beobachtet von Anfang an, wie sich der Patient auf der Scheibe verhält. Wie ist seine Körperhaltung? Wackeln eher die Beine oder der Oberkörper? Es wird geschaut, wo diese eigene Unsicherheit her kommen könnte. Eine Möglichkeit ist, daß der Patient in der Kindheit zu schnell laufen lernen mußte, das Zutrauen seiner eigenen Beine nicht erlernte, ihm fehlt die Selbstsicherheit.

Auch die Atmung hat ein sehr großes Gewicht bei dieser Behandlungsform. Die Atmung läßt sich von jedem Menschen gut beeinflussen, was bei Herz und Magen nicht geht.

Bei Angsterkrankungen wurde festgestellt, daß Patienten meist zu Kurzatmigkeit neigen, sie können nicht richtig Luft holen. Der Brustkorb ist ihnen zu eng, sie haben oftmals das Gefühl, einen Ring um die Brust zu tragen. Bei depressiven Patienten, wo die Depressionsform eine Erschöpfungsdepression ist, stellt man häufig fest, daß diese ein Stück weit überatmet sind. Das Gegenteil einer depressiven Problematik ist bei Patienten, die im Leben zu kurz gekommen sind, die Atmung muß “gepäppelt” werden, sie nehmen sich oft zu wenig vom Leben, somit auch zu wenig Luft.

Unsere Kontaktorgane sind die Füße, die Hände, die Stimme und die Augen. In den Augen können wir erkennen, was mit dem Menschen los ist. Glitzern seine Augen vor Freude, ist uns dies ersichtlich. Sind sie trübe, können wir erkennen, der Mensch ist traurig. Die Augen werden nicht umsonst der “Spiegel der Seele” genannt. Bei Angstpatienten sind die Augen oftmals weit aufgerissen, so als hätte man sie gerade ziemlich erschreckt. Bei depressiven Patienten sind die Augen trübe und glanzlos, was meist am wenigen weinen liegt, denn oft können depressive Menschen gar nicht weinen, obwohl es ihnen vom Gefühl her so ist.

Auch unsere Stimme gibt uns einen Hinweis darauf, was wir sind, was wir darstellen. Klare und deutliche Aussprache bedeutet Selbstsicherheit, leise und langsam das Gegenteil.

Hr. Dr. Kellner berichtete von Fallbeispielen und die dabei angewandte Körperpsychotherapie. So wurde z. B. ein Mann, der unter einer Erschöpfungsdepression litt und über ein Engegefühl in der Brust klagte, körpertherapeutisch behandelt. Er legte sich mit dem Rücken auf die sogenannte “Atemrolle” . Dabei wurde der Brustkorb geöffnet, eine bessere Atmung war möglich. Es stellte sich im Laufe der Therapie heraus, daß er aus einer Familie stammte, wo der Vater enormen Leistungsdruck ausgesetzt war. Dies projizierte sich auch auf sein eigenes Leben, er wollte immer alles perfekt erledigen, alles zu 100 % schaffen. Der Mann klagte darüber, nicht weinen zu können. Mit Hilfe der Übungen und dem Gespräch mit dem Therapeuten gelang es schließlich, den “Gürtel”, der um die Brust gelegt war, zu sprengen. Der Mann konnte wieder weinen und somit auch wieder frei atmen.

Das 2. Beispiel handelte von einer Frau, die unter Angst litt. Ihre Symptome waren Schwindel, Herzrasen. Sie klagte, daß sie sich nicht durchsetzen könne, ihre Stimme nur leise sei. Hier kam zur Behandlung des Schwindels die Balancierscheibe zum Einsatz. Nach einigen Sitzungen stärkte sich ihr Vertrauen zu ihren Beinen und es stellte sich ein Erfolg ein. Nun wurde das “Stimmenproblem” angegangen. Der Therapeut ließ sie die Tonleiter singen und irgendwann bei einem A,E, I, O, U mußte die Patientin weinen. Es stellte sich heraus, daß sie in ihrer Kindheit mißhandelt wurde, sie Angst hatte, sich jemanden mitzuteilen. Sie selbst gab sich die Schuld an dieser Mißhandlung.

Hr. Dr. Kellner beantwortete immer wieder auftretende Fragen während und nach dem Vortrag.

Im Anschluß an die Veranstaltung gab es anläßlich unseres 5jährigen Bestehens einen kleinen Imbiß bestehend aus belegten Brötchen.

Wir möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich für die Einblicke in diese Therapieform bei Hr. Dr. Kellner bedanken. Auch den Mitgliedern aus unseren Reihen ein herzliches Dankeschön für das Organisieren dieses Vortrages und des Imbisses.

Mein persönlicher Kommentar: Ich finde es äußerst schade, daß diese Form der Therapie nicht von den Kassen übernommen wird. Leider ist es vielen von uns finanziell nicht möglich, diese Therapieform für sich zu nutzen, kostet doch eine Stunde 60 Euro. Hr. Dr. Kellner meinte aber, daß vielleicht ein Teil der Kosten von den Kassen erstattet wird. Das hoffen einige von uns, die durch diese Veranstaltung sicherlich einen Weg für sich selbst gefunden haben. Ich selbst zähle mich zu den Personen, die mit sehr gemischten Gefühlen dorthin gegangen und eher skeptisch waren, was uns dieser Vortrag wohl zeigen mag. Aber ich verließ die Veranstaltung mit einer Visitenkarte unseres Referenten und dem Vorsatz, meine Krankenkasse zu fragen, ob sie etwas zu dieser Behandlung beisteuern werden.

Carmen