Depash - Depression und Angst Selbsthilfe e.V. Nordhessen

Chancen der Depression

Nach einer kurzen Vorstellung unseres Vereines durch Helga J. in dem sehr gut besuchten Räumlichkeiten der Gaststätte “Zur Linde” in Guxhagen, übernahm der Referent des Abends Hr. Dr. Schmidt das Wort und stellte sich vor.

Das Anliegen des heutigen Abends bestehe darin, Einblicke in das Krankheitsbild, aber auch Chancen aufzuzeigen, eine Aufforderung zur Unterstützung zu bieten.

Depression heißt übersetzt so viel wie niedergeschlagen sein, dementsprechend ist auch die Haltung des Körpers. Symptome einer Depression sind: Niedergeschlagenheit, Rückzug, sinkendes Selbstwertgefühl, Unlust, Suizidgedanken, langsame, schleppende Bewegungen, Müdigkeit, Schlaflosigkeit.

Ursachen der Depression sind:

  • Arbeitslosigkeit
  • Mobbing, Aggressionen
  • Einsamkeit
  • Schwere Erkrankungen
  • Unzufriedenheit
  • Einschneidende Lebensveränderungen
  • Körperlich od. organisch bedingtes Auftreten
  • Verluste
  • Traumen
  • Mißbrauch / Mißhandlung
  • Trauer

Die Ursachen müssen nicht kürzlich eingetroffen sein, sondern können durchaus schon sehr lange zurück liegen. Häufig hat die Depression sehr frühe Wurzeln, so daß z. B. ein Kind unter Liebesentzug litt, die Eltern ihm zu wenig Aufmerksamkeit schenkten, es sich seine Anerkennung erkämpfen mußte oder aber entgegengesetzt, es bekam zu viel Aufmerksamkeit, wurde beschützt und behütet und hat nun Probleme, sich dem wahren Leben zu stellen.

Was geht in einem depressiven Menschen vor? Was fühlt er? Was denkt er?

Der depressive Mensch hat Angst, allein gelassen zu werden, nimmt somit seine Mitmenschen ungeheuer wichtig und macht sich damit selbst ganz klein. Er tut für andere alles, was er tun kann, opfert sich auf für andere und bleibt dabei selbst auf der Strecke. Er fürchtet Geborgenheitsverlust und vermeidet Distanz. Als depressiver Mensch kann man nur sehr schwer, fast gar nicht, “nein” sagen, aus Angst, den anderen damit zu verlieren. Ebenso ein Aspekt des depressiven Menschen ist es, daß wenn er sich selbst zu viel Freiraum gönnt, die Liebe des anderen dadurch zu verlieren. Er stellt kaum Forderungen, die Welt bauen Erwachsene um ihn herum und er selbst spielt nur eine ganz kleine Rolle dabei. Es fällt ihm schwer, Entscheidungen zu treffen oder etwas mit zu bestimmen. Er fühlt sich nicht erwachsen und handelt dementsprechend auch nicht erwachsen.

Was hat die Depression für einen Vorteil?

In dem sich der Depressive in sich zurück zieht, gibt er Verantwortung an andere ab, da er selbst sich nicht mehr in der Lage sieht, dieser gerecht zu werden. Er bleibt passiv, läßt andere handeln und entscheiden, muß sich Konflikten nicht stellen, hat kaum Auftrieb und fühlt sich hilflos, meist schon bei alltäglichen Dingen. Der Vorteil liegt also darin, daß sich der Depressive um seine Verantwortung drückt, sie anderen abgibt.

Depressive Gedankenmuster

Der häufigste depressive Gedanke ist unbestritten der Gedanke an Schuld. “Ich habe sicher etwas falsch gemacht” oder “keiner mag mich mehr” kommen überaus häufig im Krankheitsverlauf vor. Diese Gedankenmuster müssen aber nicht sein, denn sie befinden sich sehr oft hart an der Realitätsgrenze, sind meist dem Betroffenen bereits in “Fleisch und Blut” übergegangen, so daß er es schon gar nicht mehr merkt, daß er gleich negativ denkt und alles auf sich selbst bezieht. Schuldig fühlt man sich, wenn man das Gefühl hat, etwas zurück geben zu müssen, was einem ein anderer Gutes getan hat. Z. B. das Kind wird von der Nachbarin abgeholt, man selbst hat aber durch die Erkrankung nicht die Gelegenheit, das Kind der Nachbarin auch mal abzuholen, also fühlt man sich schuldig, etwas nicht tun zu können, was für andere ganz “normal” und “selbstverständlich” ist.

Was für Chancen bietet mir die Depression? Was kann ich tun, damit es mir besser geht?

Zum einen gibt man Dinge, die einen überfordert haben, in der Depression ab. Man bekommt Abstand zu allem und sollte die Zeit nutzen, um “Luft” zu holen, Kräfte zu mobilisieren.

Negative Gedankengänge sollten unterbunden werden. Alle sind im tiefsten Inneren okay, jeder hat wichtige Funktionen, selbst das schwächste Glied in der Gesellschaft!

Einem negativen Gedanken sollte ein positiver folgen (z. B. statt zu denken “ich schaffe das sowieso nicht” sollte man denken “gut, alles schaffe ich heute nicht, aber ich versuche mein möglichstes” oder statt zu sagen “das Glas ist halb leer” lieber sagen “das Glas ist halb voll”). Für alle Fortschritte, die gemacht werden, sollte man sich selbst Lob zusprechen, sich freuen, wieder einen Schritt nach vorn gekommen zu sein.

Sich bietende Chancen sollten wahrgenommen werden. Wenn z. B. ein Freund / eine Freundin einen guten Vorschlag macht, nicht gleich ablehnen und kontern mit “wenn....(wir gehen) dann... (könnte ich mich ja nicht wohl fühlen)”, sondern es versuchen! Chancen, das Leben wieder in den Griff zu bekommen, hat jeder ständig, man muß sie, wenn sie da sind, wahrnehmen und versuchen, sie zu nutzen.

Sport ist ebenfalls sehr wichtig! Depressive Menschen, die joggen, geht es, laut einer Studie, besser, als denen, die sich nicht körperlich betätigen.

Bei einer leichten Depression hilft die Einnahme von Johanniskraut (sollte aber bei mindestens 900mg pro Tag liegen).

Entspannungsübungen und Übungen zur Selbstwertfindung sind ebenfalls von Vorteil.

Der Vortrag endete mit einer praktischen Übung für alle Anwesenden.

Ein herzliches Dankeschön den Initiatoren und dem Referent, der diesen Abend so lebendig gestaltete.